Monatsthema Januar: Impfst Du noch oder testest Du schon? Antikörpertests ab sofort in unserer Praxis!

 

Über das Thema Impfung wird viel gestritten. Wir greifen hier die wichtigsten Aspekte auf und erläutern wie es in unserer Praxis bei Hund und Katze gehandhabt wird.

Impfungen sind grundsätzlich wichtig um die Übertragung und Verbreitung von Infektionskrankheiten nicht nur bei geimpften, sondern auch ungeimpften Individuen zu vermeiden!

Übersicht der möglichen “aktiven” Impfungen bei Kleintieren

Anmerkung: Aktivimpfungen werden gesunden Tieren appliziert, damit sie einen eigenen Impfschutz in Form wirksamer Antikörper ausbilden. Passivimpfungen dagegen enthalten Antikörper und werden im Notfall eingesetzt, wenn die Tiere bereits erkrankt sind, um drastische Krankheitsverläufe (Todesfälle) zu verhindern.

Core-Vakzinen – sozusagen der “empfohlene Grundschutz”:

Hund: Tollwut, Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose, Leptospirose

Wichtig: Tollwut und Leptospirose sind Zoonosen, d.h. sie können auch auf den Menschen übertragen werden!!!

Katze: Tollwut, Katzenschnupfen (felines Calicivirus und felines Herpesvirus), Katzenseuche (Panleukopenie)

Kaninchen: RHD1+2, Myxomatose

Frettchen: Tollwut, Staupe

 

Non-Core-Vakzinen – nicht empfohlen/empfohlen je nach Lebensumständen bzw. Haltungsbedingungen:

Hund: Leishmaniose, Parainfluenza und Bordetella bronchiseptica (bekannt als “Zwingerhusten”), Borreliose, Canines Herpesvirus, Dermatophyten (Hautpilz)

Katze: Leukose, FIP, Chlamydien, Dermatophyten

Kaninchen: Kaninchenschnupfen

Zu den StiKoVET-Empfehlungen: https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00020078/Impfleitlinie-Kleintiere_2019-02-01.pdf

 

Impfwiederholungen – so häufig wie nötig, so wenig wie möglich

Hinsichtlich der Empfehlungen der StiKoVet (ständige Impfkomission für die Veterinärmedizin) erhielten Hund und Katze zur Grundimmunisierung bisher bei uns im Jungtieralter in der Regel zwei bis drei Impfungen im Abstand von 3-4 Wochen und eine Boosterung nach einem Jahr. Die Zeitabstände der Wiederholungsimpfungen sind abhängig von den Lebensumständen (z.B. erhöhter Infektionsdruck/Immunkompetenz des jeweiligen Tieres) und den Empfehlungen/Erfahrungen des jeweiligen Impfstoffherstellers. Die Impfstoffe, die wir verwenden, haben ein empfohlenes Impfintervall von drei Jahren.

Eine Titerbestimmung empfiehlt sich immer dann wenn eine Wiederholungsimpfung fällig wäre.

 

Gründe für Antikörpertests vor geplanten Impfwiederholungen

  1. -Wenn ein ausreichender Impfschutz besteht, ist eine Wiederholungsimpfung überflüssig.
  2. -Negative Nebenwirkungen können bei keiner Impfung sicher ausgeschlossen werden.
  3. -Neuere Untersuchungen lassen vermuten, dass bei immunen Tieren die Antigene der Wiederholungsimpfung innerhalb kürzester Zeit durch Antikörper neutralisiert und damit unwirksam werden.

Hier zur Stellungnahme der Impfkomission: https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00005786/Stellungnahme_Antikoerpertestung_2017-10-19.pdf

 

 

Antikörpertiter-Schnelltests

Ab sofort können wir in unserer Praxis Antikörper-Schnelltests für Hund und Katze anbieten, um festzustellen ob eine Wiederholungsimpfung bei Ihrem Tier zum vorgestellten Zeitpunkt wirklich notwendig ist. Dafür erfolgt zunächst eine Blutentnahme, das Testergebnis liegt uns danach in ca. einer halben Stunde vor.

Hund: Staupe, Hepatitis und Parvovirose.

Katze: Feline Panleukopenie (auch unter Katzenseuche bekannt), Felines Herpesvirus, Felines Calicivirus

Ein Schnelltest für Tollwut ist nicht verfügbar, für Auslandsreisen ist ohnehin ein gültiges Tollwut-Impfdokument verpflichtend.

Für die Leptospirose beim Hund ist ebenfalls kein Test verfügbar, da es eine bakterielle Erkrankung ist, für die der Impfschutz nicht länger als ein Jahr hält.

Kosten

Die Kosten pro Test liegen etwas höher, als für eine Impfung. Sollte anschließend eine Impfung notwendig sein, so fallen dafür wiederum weniger Kosten an, als für eine Impfung ohne Test!

… nur gesunde Tiere impfen!

“Gesund” heißt in diesem Fall: Das Tier sollte zum Zeitpunkt der Impfung ein gutes Immunsystem haben, damit eine Impfung auch die gewünschte Wirkung hat. Wenn das bei einem Patienten einmal nicht der Fall sein sollte, kann es sein, dass der Körper keinen Impfschutz ausbildet, oder die Impfung eine zusätzliche gesundheitlichen Belastung ist. Dann wird von der Impfung erst einmal abgeraten. Bei chronisch erkrankten Tieren muss eine Impfung individuell abgewägt werden.

Häufig kommen Tiere, besonders Katzen, nach “mehreren Jahren ohne routinemäßigen Gesundheitscheck” zu uns. Sehr viele dieser Tiere haben, unbemerkt vom Besitzer, hochgradige Erkrankungen der Maulhöhle (Zahnausfall, abgebrochene Zähne, massive Zahnfleischentzündungen)! Die “Überraschung!” ist dann natürlich groß, wenn statt der Impfung zunächst eine Zahnsanierung ansteht. Hierzu interessante Beiträge:

Dinge, die uns am Herzen liegen

Zahnbehandlung für Hunde und Katzen

Viele Tierhalter wünschen eine Impfung am Tage der Kastration ihrer Katzen, um einen erneuten Praxisbesuch zu vermeiden. Wir lehnen “Impfungen zusammen mit einer Operation” ab. Eine Operation bedeutet für den Körper Stress. Eine Impfung am selben Tag belastet das Immunsystem zusätzlich, so dass eventuell mögliche Nebenwirkungen der Impfung verstärkt auftreten könnten oder die Impfung nicht wie gewünscht wirksam wird.

Wir empfehlen zwischen Impfung und Narkosen bzw. Operationen mindestens einen Abstand von ein bis zwei Wochen.

 

Gerne beraten wir Sie, in unserer Praxis oder bei einem Hausbesuch, individuell zur Impfung Ihres Tieres!